Was wir schon hatten

Ich habe bei meinen Betrachtungen der momentanen Situation des österreichischen Tennis bereits auf unseren stetigen Abstieg im internationalen Tennis hingewiesen, der sich mittlerweile leider fortsetzt und sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern wird, wenn ich mir die Platzierungen unserer Spielerinnen und Spieler zwischen 19 und 23 in den internationalen Ranglisten anschaue. Und ich möchte die Frage stellen, weshalb das so ist, da wir die besten Voraussetzungen hätten, international ganz vorne mitzuspielen.

Tennis ist in Österreich nach Fußball die mitgliederstärkste Sportart, hat europaweit die höchste Dichte an Tennisplätzen und Tennishallen, weist ein dichtes Netz an Vereinen auf, die von ehrenamtlichen ambitionierten Funktionären geführt werden und verfügt über einen sehr gut gegliederten Mannschaftssport und ist mit seinen Initiativen im Kindertennis beispielhaft. Darüber hinaus haben wir mit Kitzbühel, Wien und Linz sehr gut organisierte ATP und WTA Turniere und auch eine, wenn auch noch zu geringe Zahl an Challenger Turnieren, die sich internationaler Beliebtheit erfreuen. Die Sekretariate der Landesverbände und des ÖTV arbeiten, so weit ich das beurteilen kann, sehr gut und machen sich ständig Gedanken über weitere Verbesserungen.

Die Gründe, dass im internationalen Vergleich sehr wenig weiter geht und die wenigen Spitzenspieler (ich brauche hier leider nicht zu gendern) von privat geführten Akademien hervorgebracht werden, liegen an einer nicht zielführenden und mit fachlich nicht kompetenten Personen besetzten Struktur sowohl des Hochleistungstrainings als auch der Trainerausbildung. Ich werde in der Folge darauf verweisen, dass wir in den Aufbaujahren zwischen 1975 und etwa 2000 vieles bereits hatten, worum uns andere Nationen beneideten was aber, weil nicht im Rampenlicht der öffentlichen Aufmerksamkeit, leider von manchen Spitzenfunktionären des ÖTV nicht wirklich geschätzt wurde.

Das Lehrwesen

Zunächst möchte ich auf den Abstieg im Lehrwesen hinweisen, obwohl man mir unterstellen wird, dass ich als ehemaliger Verantwortlicher dafür nicht subjektiv bin. Aber lassen wir die Fakten sprechen.

Eine Lehrkommission, bestehend aus den Referenten der Landesverbände und den Ausbildungsleitern der 4 Sportakademien des Bundes sorgte für ein einheitliches Aus- und Fortbildungsprogramm und Unterrichtsmittel, die von mir unter Einbindung der Ausbildungsleiter erstellt wurden, was den Vorteil hatte, dass sich diese damit auch identifizieren konnten, hatten sie doch dazu beigetragen. Es gab Skripten für Methodik, Drilltraining und Schlaganalysen und Broschüren über Tennis-Grundschulung, Tennis-Tests sowie Psychisches- und Taktisches Training. Allerdings beteiligte sich der ÖTV an der Erstellung dieser Lehrunterlagen finanziell nicht und es war meiner privaten Initiative und der Unterstützung des Verbandes der Österreichischen Tennisschulen zu danken, dass wir sie hatten.

Davon ist nichts geblieben, sieht man davon ab, dass das Methodik Skriptum noch jahrelang weiterverwendet wurde.

Die ÖTS

1990 wurde der Verband der Österreichischen Tennisschulen (ÖTS) unter dem ersten Präsidenten Armin Bischofberger gegründet, dem Dr. Hannes Zischka, damals Präsident des Steirischen Tennisverbandes, nachfolgte. Aufgabe des Verbandes, dem vor seiner Auflösung 2002 bei meinem Rücktritt 34 Tennisschulen und Tennishotels angehörten, war die Vereinheitlichung und Optimierung des Unterrichtssystems aber auch Information über Angebote und Fachartikel sowohl für „Normalverbraucher“ als auch für das Wettkampftraining. Zu diesem Zweck erschienen von 1995 bis 2002 die Tennis Akademie News, 4 mal jährlich, ca 25 Seiten mit finanzieller Unterstützung der Mitglieder der ÖTS, von Sponsoren und der Uniqa/Austria Collegialität Versicherung, die darin die Ergebnisse ihres Breitensportturnieres veröffentlichte.

Der Verband der Österreichischen Tennisschulen wurde 2002 nach meinem Ausscheiden aus dem Vorstand des ÖTV aufgelöst und damit war es auch mit der Veröffentlichung von Fachartikeln sowohl für den Tennisunterricht als auch für den Breitensport vorbei.

Internationale Symposien

In Schruns und Wien organisierten wir das jährliche Coaches-Symposium des Europäischen Tennisverbandes, bei dem internationale Experten über moderne Entwicklungen im Tennis berichteten und an dem auch österreichische Trainer referierten und viele als Gäste teilnahmen.

Als Mitglied der Developement Commission des Europäischen Tennisverbandes war ich über neue Entwicklungen im europäischen Tennis ständig informiert und konnte Griechenland, Zypern und Luxemburg bei der Errichtung eigener Ausbildungen und Polen, Ungarn, der Türkei und den Baltischen Staaten mit Seminaren behilflich sein. Man kann sagen, dass der ÖTV von 1980 bis 2004 im Europäischen Tennisverband (ETA) konstruktiv an der Weiterentwicklung des Lehr- und Ausbildungswesens mitgearbeitet hat, was auch darin zum Ausdruck kam, dass ich 2004 mit dem Coaches Award des Europäischen Tennisverbandes ausgezeichnet wurde und zu den Kongressen des Internationalen Tennisverbandes (ITF) in Bangkok und Fort Myers/Florida als Referent eingeladen wurde.

Nichts ist davon geblieben und Österreich ist im Lehrwesen von der internationalen Bildfläche völlig verschwunden.

Nun kann man sagen, dass das alles nicht wichtig ist und das war auch die vorherrschende Meinung eines Großteils des Präsidiums des ÖTV zu meiner Zeit als Technischer Direktor und Ausbildungsleiter. Wenn man jedoch die erfolgreichen Tennisnationen näher betrachtet, sieht man, dass diese größten Wert auf das Ausbildungs- und Lehrwesen legen, weil sie erkannt haben, dass Spitzenleistungen auf solider Basis nur mit intensiver Arbeit auf diesem Gebiet möglich ist.

Die Leidtragenden der bedauerlichen Abwärtsentwicklung im Lehr- und Ausbildungswesen sind sowohl die Spielerinnen und Spieler, aber auch die Trainer, die mit ganzem Herzen bei der Sache, leider aber nicht gut ausgebildet sind. Ich sage das sehr begründet, da mir etliche meiner einstigen Mitarbeiter und Leiter von Tennisakademien bestätigten, dass viele, die eine Lehrwarteausbildung absolvierten ihnen sagten, dass bei der Trainerausbildung, die entscheidend für ein hochwertiges modernes Leistungstraining ist, praktisch dasselbe wiederholt wurde.

Wenn mir der derzeitige Präsident des ÖTV schreibt, dass das Lehrwesen neben einer Neuausrichtung der Südstadt und organisatorischen Verbesserungen Priorität hat, so freut mich das und ich hoffe, dass er die richtigen Personen dafür findet.

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